Montag, 19. Februar 2007

Paul Auster, Nacht des Orakels


Natürlich sind Körper wichtig - wichtiger, als wir zuzugeben bereit sind - aber wir verlieben uns nicht in Körper, wir verlieben uns ineinander, und mag auch vieles von dem, was wir sind, auf Fleisch und Knochen beschränkt sein, so gibt es doch auch manches andere. Wir alle wissen das, aber sobald wir über den Katalog von oberflächlichen Eigenschaften und Äußerlichkeiten hinauswollen, gehen uns die Worte aus und zerfallen in mystisches Gefasel und nebulöse, substanzlose Metaphern. Manche nennen das "die Flamme des Seins". Andere sprechen vom "inneren Funken" oder vom inneren Licht des Ich". Wiederum andere sprechen vom "Feuer der Wesenheit". Stets handelt es sich um Bilder von Wärme und Licht, und jene Energie, die Essenz des Lebens, die wir manchmal als "Seele" bezeichnen, wird einem anderen Menschen immer durch die Augen vermittelt. Zweifellos hatten die Dichter Recht, auf diesen Punkt zu beharren. Das Mysterium des Verlangens beginnt mit dem Blick in die Augen des Geliebten, weil man nur dort etwas vom Wesen des anderen erhaschen kann.

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tja - 20. Feb, 00:49

augen

augen als fenster zur seele- ja, so sehe ich das auch.
und es ist verblüffend, wieviel uns ein blick verrät, von dem, was hinter der fassade schlummert und was man oft nicht einmal bewusst in worte fassen kann.
blicke sind kostbar. unverstellte blicke werden selten. manchmal wünschte ich mir, durch das auge des anderen (geliebten) hindurch auf den grund zu sehen.

ich denke auch, dass etwas davon in den märchen vergraben liegt. mich erinnert dieses auf den grund sehen wollen an frau holle- der brunnen, durch den die goldmarie fällt und nicht stirbt, ist dem wunsch, durch das auge auf den grund (auf die wahrheit) sehen zu wollen, ähnlich.

lg
biggy (augenschmauserin aus leidenschaft)

Perkampus - 20. Feb, 13:02

Verzeihung,

aber ich finde die Deutung naiv. Holle (Hel) ist nun im Eigentlichen die Unterweltgöttin, dahin gehört das Märchen gebracht. Ich sage das nur, weil mir diese oberflächlichen Textbetrachtungen gegen den Strich gehen.
Genau das "gefasel" wird also bemüht, das eigentlich abzulehnen ist.
Blicke sind ein visueller Fokus und ängstigen durch Betrachtung, oder heimeln an, weil sie ein Lebenslicht sind. Augen fixieren durch ihre dauernde Bewegung und Veränderung der Linseneinstellung, aber sie sind nur Zutat, nichts weiter als ein Fetisch, dem man Höhe verleiht. Natürlich nicht zu Unrecht.
tja - 20. Feb, 18:05

Deutung oder Assoziation

Verehrtester, ich sprach nicht von Deutung- ich gebe hier lediglich meine persönlichen Assoziationen bekannt. Welche Intensionen ursprünglich in einem Symbol versteckt waren, mag interessant sein- allein es erfolgen immer auch Neu- und Umbewertungen derselbigen immer und zu allen Zeiten. Das Bild des auf-den-Grund-sehen-Wollens ist für mich ein positiv besetztes- genau wie das dieser Goldmarie. Aus diesem Grunde führte ich beide ins Spiel und das hat auch etwas mit Sehen, mit dem Erkennenwollen (auch des Geliebten) zu tun. Ein Thema, das sehr viele Gedanken in Gang setzt.

LG
Biggy
Perkampus - 20. Feb, 23:24

Sicher,

meine Worte sind hier Fehl am Platz. Wider besseren Wissens habe ich mich dazu hinreissen lassen, an eine Welt hinzuargumentieren, die unbenennbar weit von dem existiert, was ich wahrnehme. Beim bürgerlichen Gutgeseiher platzen mir alle Kragen, das war der Grund. Ich ignoriere in Zukunft. Versprochen.

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